Das Ganzheitliche Sehtraining
I. Was ist "Sehen" ?
II. Die Psychosomatik des Sehens
III. Methoden des Augentraining und Sehtraining
Augenmuskeltraining, Blicktraining, Wahrnehmungstraining, visuelles Training...
Was ist eigentlich "Augentraining", was ist "Sehtraining"? und ...
I. Was ist "Sehen" ?
Das Auge bündelt das Licht, die Netzhaut wandelt das auftreffende Licht in elektrische Reize um, die Sehbahnen transportieren diese Reize durch den ganzen Schädel, und dort im Gehirn – sehen wir !
Augentraining als Muskeltraining
Deshalb reicht es nicht aus, nur die Augen zu trainieren. Ein Augentraining als Muskeltraining gehört zwar auch zur visuellen Fitness und zum guten Sehen, und das Auge ist wie jeder andere Teil des Körpers physisch veränderbar, aber an der eigentlichen visuellen Wahrnehmung sind auch die Retina, die Sehbahnen und das Sehzentrum im Gehirn beteiligt.
Deshalb ist neben dem Augentraining auch ein Sehtraining - ein Training des Sehens - wichtig.
Sehtraining trotz gesunder Augen
Es gibt durchaus (wenige) Menschen, die mit völlig gesunden Augen (wegen pychischer Blockaden) absolut nichts sehen, und solche, die trotz gesunder Augen wenig vom Gesehenen wahrnehmen. In diesen Fällen hilft nicht das Augentraining, sondern das ganzheitliche Sehtraining; denn auch die visuelle Wahrnehmung kann man trainieren.
Dagegen gibt es auch Menschen, die mit verminderter Augenleistung erstaunlich viel wahrnehmen, also sehen. Diese Menschen haben vielleicht keine "guten Augen", aber eine sehr gute Wahrnehmungsfähigkeit.
Die visuelle Wahrnehmung
Das Sehen oder die visuelle Wahrnehmung besteht aus 4 Bereichen:
Das Wahrnehmen von Bewegung
Das Wahrnehmen von Form
Das Wahrnehmen von Farbe
Das Wahrnehmen von Raum
Eine oder mehrere davon können aus den verschiedenen Gründen gestört sein
Das Wahrnehmen von Bewegung

ist als Reaktion auf einen Reiz biologisch-evolutionsgeschichtlich so tief im Menschen verankert, dass kaum jemand damit Schwierigkeiten hat. Gerade deshalb aber lässt sie sich auch so gut zur Verbesserung des Gesamtsehvermögens einsetzen: eine Art des Sehens, die jeder Mensch zur Verfügung hat, die sich daher gut zur Kompensation und Ergänzung anderer Bereiche eignet.
Das Wahrnehmen von Form
ist eine erlernte Art des Sehens: den unterschiedlichen Farb- und Lichtreizen (nichts anderes ist der Sehvorgang physiologisch betrachtet) wird eine Bedeutung gegeben. Diese Bedeutung wird dem kleinen Kind von anderen Menschen vorgegeben, "erklärt", dazu kommen ein Leben lang eigene Erfahrungen mit Formen und, da kein Ding auf der Welt ohne Farbe ist, auch mit Farben.
Mit der Formwahrnehmung benennen und bewerten wir unsere Erfahrungen mit den Dingen der Welt:
Anblick
rund = Ball = spielen = angenehm
oder
rund = Ball = vom Ball getroffen werden = tut weh
Anblick
Tür = draussen im Garten spielen = angenehm
oder
Tür = Finger geklemmt = tut weh
II. Die Psychosomatik des Sehens
Bei jeder Situation setzen sich hier Erfahrungen als psychosomatische Veränderungen oder Verhaltensweisen fest.
In einer Lebenssituation „etwas nicht sehen wollen“ oder „da kann man ja nicht hinsehen“ sind Redensarten, die genau das bezeichnen.
Auf jeden Anblick reagiert der ganze Körper: mit Veränderung der Atmung (tief, ruhig, flach, aufgeregt), der Pulsfrequenz, des Muskeltonus (Muskel-Anspannung oder -Entspannung) usw.
Diese Veränderungen sind zwar z.T. subtil, aber durchaus spürbar, sobald man seine Aufmerksamkeit auf die Beobachtung lenkt.
Daher besteht eine wirksame ganzheitliche Sehtherapie immer auch aus "Ganzkörperübungen" und Atemübungen, die unbedingt gleichzeitig in Verbindung mit Sehübungen (Sehen und Blickverhalten) durchgeführt werden müssen, um eine neue, gesündere visuelle Verhaltensweise anzutrainieren, falls sich ungesunde "Angewohnheiten" eingeschlichen haben. Daher ist Sehtraining keine Gymnastik, auch wenn manche der Ganzkörperübungen für einen Aussenstehenden manchmal so aussehen mögen.
Die Neigung zum Starren (wenig Blickbewegungen) gehört ebenso dazu wie das "durch die Dinge hindurchsehen" (die Augen nehmen Reize auf, aber das Gehirn verarbeitet die Reize nicht).
Beispiele:
Sie suchen eine Stunde lang ihren Schlüssel, obwohl er die ganze Zeit über vor Ihnen auf dem Tisch liegt.
Sie laufen auf der Straße – grußlos - an Ihrem Nachbarn vorbei, ohne ihn zu "bemerken", obwohl er natürlich deutlich in Ihrem Blickfeld war.
Um diese Wahrnehmung zu verbessern, gehören zum Sehtraining immer auch Blick- und Wahrnehmungsübungen, denn – was nützt Ihnen ein gesunder Sehapparat, wenn Sie ihn nicht einsetzen?
Ausserdem können Sie mit einer gut trainierten Wahrnehmung ein organisch schlechtes Sehvermögen "aufbessern", in manchen Fällen so sehr, dass Sie einem "Normalsichtigen" sogar überlegen sein können.
Das Wahrnehmen von Farbe
Das Wahrnehmen von Farbe ist ein natürliches, angeborenes Sehen, das sehr gut zur Heilung eingesetzt werden kann. (Farbharmonie, Farbausgleich, Farbsättigung, Farbpsychologie, physiologische Auswirkungen der Farben).
Da die Farben in unserer Umwelt natürlich nicht "für sich allein" wahrgenommen werden, sondern immer im Zusammenhang mit einem "Ding" (Formwahrnehmung und Bewertung), gibt es nicht nur die reine Farbtherapie, sondern auch Übungen, die Formwahrnehmung und Farbwahrnehmung gemeinsam trainieren.
Das Wahrnehmen von Raum
Mit dem "Wahrnehmen von Raum" ist nicht das perspektivische Sehen gemeint.
Eine gute Raumwahrnehmung findet dann statt, wenn der Mensch "in seiner Mitte" ist, von einer ruhigen Ausgeglichenheit, die es möglich macht, entspannt wahrzunehmen, was um ihn herum (ja, sogar hinten kann gemeint sein) vor sich geht.
Es ist eine Art Meditation, in der die innere Wahrnehmung mit der Wahrnehmung der äußeren Welt ohne Anstrengung verschmilzt. Die"Seele baumeln zu lassen", völlig entspannt und dabei mit Augen und Geist hellwach aktiv wahrnehmend in der Außenwelt zu sein: Das ist das Wahrnehmen von Raum: es bezieht alle anderen Wahrnehmungsarten mit ein und ist ein rundes, vollkommendes Gesamtergebnis visueller Wahrnehmung.
Tiefergehende Betrachtungen dieser Art der Wahrnehmung führen geradewegs in die Wissenschaft (wo sich wissenschaftliche und philosophische Betrachtungen über innere und äußere Wahrnehmung unendlich fortsetzen).
III. Methoden des Augentraining und Sehtrainings
Für ein ganzheitliches Training (visuelles Training, Augentraining, Sehtraining) werden verschiedene Therapie-Methoden aus unterschiedlichen Bereichen herangezogen und z.T. in spezialisierter Weise miteinander kombiniert, z.B die Therapiemethoden:
Autogenes Training, Übungen aus dem Yoga, Atemtherapie, Übungen aus der Bioenergtik, klassische Bates-Sehübungen, Farbtherapie, Visualisierungen u.a.
Welche Methoden in welcher Kombination hängt von dem Symptom des Sehproblems (kurzsichtig, alterssichtig, astigmatisch) ab, und bei manchen Problemen (Grüner Star, Grauer Star) braucht es natürlich zusätzlich die Behandlung und Kontrolle des Augenarztes.
Zusätzlich anwenden kann man z.B. bestimmte Arten der Akupunktur, Akupressur, Homöophatie, Ernährung und Hilfsmittel wie z.B.
Rasterbrillen (allerdings nur zur Unterstützung; diese Methoden allein bewirken keine ausreichende bleibende Verbesserung).
Immer anwenden kann man natürlich
Hilfsmittel wie Tonträger, mit denen man durch die betreffenden ausgesuchten Übungen und Therapie-Sitzungen hindurchgeführt wird, falls man nicht die Möglichkeit hat, regelmäßig zu einem Sehtherapeuten zu gehen oder falls man sein Training mit Hilfe von angeleiteten Übungen und Sitzungen zuhause unterstützen möchte.
Eine ausführliche Beschreibung der Hilfsmittel zum Sehtraining finden Sie unter
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